Das Besondere des Dialekts
Andererseits kann im Windschatten des Globalisierungsdrucks eine neue Wertschätzung des eigenen Dialekts wachsen. Die vielfältigen Dialekte des Schwäbisch-Alemannischen haben einen unglaublichen Reichtum an Ausrufen und Wendungen, die den Gesprächsfluss beleben (net, ha, gell), an Sprichwörtern, Redensarten, Kinder- und Gassenreimen, Rätseln, Witzen, eigenwilligen Flurnamen, deftigen Schimpfwörtern und Flüchen, Grüßen, Befehlen und Beteuerungen, Ausdrücken, Lautbildungen und Tonlagen. Es kann sehr viel Spaß machen, sich sowohl in der Hochsprache als auch im umgangssprachlichen „Neudeutsch“ und im heimischen Dialekt gleichermaßen gut bewegen zu können. Damit kann man von einer Sprache – und damit von einer Identität - in die andere wechseln und „om’s Nomgugga“ verschiedene Welten miteinander verbinden. Wer die jeweiligen Nuancen beherrscht, kann mit dem Grad gesprochener Mundartlichkeit auch genau anzeigen, wie persönlich der Kontakt zum anderen werden darf. Wenn zwei Akademiker aus Baden-Württemberg in einer Universität miteinander im Schwäbisch ihrer Kindheit reden, wollen sie mit Sicherheit auch persönlich etwas miteinander zu tun haben.
Elisabeth Marsh