Sprachräume definieren Identität
Im historischen Wirrwarr der Befehlsgewalten war es überlebensnotwendig, die bestehenden Grenzen und Zugehörigkeiten genau zu kennen und keine unerlaubten Übertritte zu machen. Der ortseigene Dialekt hatte dadurch eine wichtige Sicherheitsfunktion, mit ihm konnte man seine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Herkunftsraum innerhalb der Herrschaftsgrenzen beweisen. Satzmelodie, Tempo, Dynamik, Akzent und Wortwahl ihrer Sprache verrieten den Ortsansässigen sofort, wo ihnen unbekannte Gesprächspartner herkamen. Da das Weiterbestehen der Grenze für die Sprechenden von großer Bedeutung war, hat sich hüben wie drüben jeder bemüht, die eigene Sprechweise beizubehalten und sich so von „den Anderen“ abzugrenzen. Es kam deshalb an Sprachgrenzen oft zu einem Nebeneinander verschiedener Sprachgebiete ohne gegenseitige Angleichung. Dies ist in unserem Landkreis besonders krass auf dem Kniebis geschehen, wo die Passstraße als Landesgrenze, Religionsgrenze und Sprachgrenze die Siedlung in zwei Welten teilte. Auf der einen Straßenseite wurde badisch, auf der anderen schwäbisch geredet, katholisch stand gegen evangelisch, ein Miteinander war kaum denkbar.
Elisabeth Marsh